Der Krankenhausalltag auf der Station 50 ( KMT )

 

 

Mittlerweile sind jetzt schon ein paar Tage vergangen, als Sven auf der Station 50 aufgenommen worden ist. Um natürlich alles im nachhinein besser zu verfolgen, habe ich mir gedacht, dass ich für uns ein Tagebuch schreibe, um später noch mal alles Revue passieren zu lassen.

Am Anfang des Aufenthaltes wurden natürlich erstmal ein paar Untersuchungen gestartet, um den Allgemeinzustand zu checken. Es sollte ja nichts schieflaufen bei der KMT. Ich habe natürlich Sven zu fast allen Untersuchungen begleiten können.

Dieser Katheter ermöglicht es, die ganzen Infusionen und dann natürlich auch später das Knochenmark einlaufen zulassen.

 

 

 

 

 

In den nächsten Zeilen werdet Ihr die Auszüge aus unserem Tagebuch finden. Es sind die täglichen Abläufe auf der Station bis zu der KMT.

 

 

 

16.02.08:

Ab heute bekommt Sven zur Wässerung der Nieren reichlich Infusionen. Der erste Anschluss an den Hickman Katheter. 

Er ist ziemlich ängstlich, dass er nirgendwo hinkommt und nur ans Bett gefesselt ist. Aber die Möglichkeit, sich trotzdem im Zimmer frei zu bewegen und auch auf die Toilette zu gehen, ist trotzdem gegeben. Die Leitung von den Infusionsschläuchen ist nämlich ca. 7 m lang. Trotzdem fühlt er sich schlecht, gerade auch deswegen, weil die Schwestern und Pfleger ihm die Wasserflasche öffnen wollen (wegen der Verletzungsgefahr). Er weint. Kommt mit der Situation nicht wirklich klar, dass man alles für ihn machen muss.

Morgen früh würde die erste Chemotherapie beginnen, sagt er. Muss aber schon Tabletten, als eine Art von Chemotherapie einnehmen. Es ist ihm ziemlich langweilig. Aber Gott sei Dank hat er ja seinen Laptop mitgenommen. Denn ich bin mittlerweile erst  mal wieder nach Hause gefahren, die ganze Zeit kann ich leider nicht dort sein.

Das ganze Pflegepersonal auf der Station ist voll nett, sagt er. Infusionen, Inhalationen und Tabletten werden für Sven zum Alltag in der Charite. Die Atemübungen die er machen muss, sind gegen eine Lungenschädigung. Die muss er mehrmals am Tage durchführen.

 

 

 

 

 

 

 

17.02.08:

Ab heute morgen beginnt die Chemotherapie. Noch geht es ihm gut. Außerdem muss er auch ab heute alle Getränke aufschreiben. Alles zur Kontrolle wegen der Ausfuhr und Einfuhr. Die ersten Infusionen laufen auch. Tabletten hat er schon eingenommen und die Inhalation hat er auch schon gemacht. Er sagt, sein Zimmernachbar verträgt die Chemo wohl ganz gut. Er hat Knochenkrebs und bekommt auch eine KMT, aber schon ein paar Tage früher als er. Sven sagt, dass der Nachbar sich momentan ziemlich schlapp fühlt. Deshalb ist er ein bisschen beunruhigt, dass es ihm genauso ergehen könnte. Sven sagt, er fühle sich sehr alleine, findet es sehr schade, dass ich nicht bei ihm bin. Auf jeden Fall muss er gleich noch seine Atemübungen mit dem Inhalator machen. Er schaut auch ab und an Filme auf dem Laptop oder pokert ne Runde. Sven bekommt reichlich Anrufe, möchte aber auch etwas Ruhe zwischendurch haben.

 

Nach jeder Mahlzeit muss er sich die Zähne putzen und eine Mundspülung machen, um eine Infektion im Mundraum zu vermeiden. Versucht natürlich alles so gut wie möglich zu machen, ist aber auch sehr genervt deswegen. Ich sage zu ihm, dass es halt sein muss, besonders die Ampho Moronal Spülung ist sehr wichtig. Diese schmeckt aber sehr ekelig. Man darf erst nach einer halben Stunde wieder was essen und trinken. Er hat auf keinen Fall Bock, dass ihm die Leute die Brocken hinterher räumen.

Während ich diese Zeilen schreibe, macht Sven gerade in der Charite seine Atemübungen mit der Voldyne ( Gerät ).

Er kommt sich wie eine schwangere Frau vor,wenn er diese tgl. 4-5 mal machen muss. Ich kann ihn über die Webcam genau beobachten. Auf die Toilette muss er auch ganz oft, wegen der ganzen Infusionen und Getränke.

Scheiße, eine kurze Unterbrechung bei Skype. Er hat Besuch bekommen. Sven ist völlig platt. Mit einem Besuch hat er nicht gerechnet.

Zudem ist er zusätzlich glücklich, weil die Schwester ihm gerade gesagt hat, dass er auf dem Flur laufen darf. Freut sich, dass er sich jetzt auch noch einen Kaffee holen kann und ein bisschen den Flur auf und ab gehen kann. Die Infusionen hat die Schwester kurz abgemacht.

 

18.02.08:

Ich habe heute Morgen ganz kurz mit ihm gesprochen. Soweit geht es ihm ganz gut. Er sagt, dass er sich doch mittlerweile ganz wohl in Berlin fühlt. Von der Chemotherapie merkt er auch noch nichts. Heute hat er das letzte Mal die Tabletten als Chemotherapie bekommen. Ab morgen bekommt er alles  i.v.( über Infusionen ).  Ein mulmiges Gefühl hat er auf jeden Fall, aber er kann trotz der Chemo i.v. weiterhin auf dem Flur laufen. Heute war sogar schon seine Krankengymnastin da.

 

Wir schauen uns gerade gemeinsam „Immer wieder Jim“ und „Hör mal wer da hämmert“ an. Gleichzeitig sehen wir uns über Skype. Er ist gerade wieder ins Zimmer gekommen und schon ist die Schwester wieder da und hängt die Infusionen wieder dran. Sven weint auf einmal, weil er Angst wegen morgen hat. Die Schwester aber beruhigt ihn und sagt, dass er sich nicht verrückt machen soll. Trotzdem ändert sich nichts an der Situation, sagt Sven. Nach dem Essen macht er jetzt seine Mundpflege. Er hat heute sehr oft schon geweint. Aber Sven und ich haben schon viel gepokert und auch miteinander gesprochen. Das hilft über einiges hinweg.

 

19.02.08:

Der Tagesablauf ist der gleiche wie an den anderen Tagen auch.

 

20.02.-24.02.08:

 

Die täglichen Tagesabläufe wie immer.

 

 

 

 

25.02.08:

Große Überraschung für Sven: Ich bin nämlich heute schon nach Berlin gekommen. Sven hat nicht schlecht geschaut. Ich habe ihm heute ganz viel mitgebracht. Bisher hat er die Chemo gut vertragen, keinerlei Probleme bei ihm. Er hat aber schon in den letzten Tagen 6 kg zugenommen. Sven hat vor dem großen morgigen Tag ganz schön viel Angst, weil er ja sein neues KM bekommt. Das geile an diesem Tag ist auf jeden Fall, dass das Internet wieder funktioniert. Tagelang konnte Sven nicht ins Internet. Er musste deswegen sogar auf den Flur, um überhaupt ein wenig Empfang zu haben. Er hat sich sogar vorgenommen, einen Tageskalender selber zu machen, um die Tage zu zählen, bis er wieder nach Hause kommt.

 

26.02.08:

Endlich ist der große Tag da.

 

 

 

 

9:40 Uhr Fr. Prof. Arnold kommt mit den Stationsärzten rein zur Visite. Ab heute müssen alle Mundschutz tragen, weil die Leukozyten sehr sehr niedrig sind. Trotzdem darf Sven aber mit Mundschutz noch auf dem Flur zum herumlaufen. Einmal am Tag kommt die Physiotherapeutin vorbei. Durch die Chemotherapie ist außerdem noch der Geschmackssinn völlig durcheinander gebracht worden. Alles würde wie eingeschlafene Füße schmecken.

9:55 Uhr Die Physiotherapeutin kommt.

15:25 Uhr Der Pfleger Werner kommt rein und teilt uns mi, dass das erste KM schon angekommen sei und es jetzt nur noch in der Blutbank zubereitet werden müsse.

16:00 Uhr Sven geht noch mal eben vor der KMT duschen mit meiner Hilfe, um frisch ins neue Leben zu starten.

17:30 Uhr Sven bekommt vor der KMT noch eine Prämedikation zur Beruhigung und dass er müde wird. Kurze Zeit später merkt er es dann aber auch schon. Er sagt, dass so langsam das LeckmichamArschgefühl kommt.

 

 

 

18:20 UHR ENDLICH IST ES SOWEIT, DIE KMT BEGINNT. ICH DREHE NUN DAS RÄDCHEN AUF. SVEN BEKOMMT VON DEM GANZEN SCHON KAUM NOCH WAS MIT. DAS GEFÜHL IST ÜBERRAGEND: EIN NEUES LEBEN WIRD FÜR SVEN UND MICH BEGINNEN.

 

Mittlerweile ist es schon 23:30 Uhr und das neue KM ist immer noch nicht durchgelaufen. Ich werde aber jetzt zum JgH zurückgehen, weil ich sehr müde bin. Meine Maus schläft, ich verabschiede mich noch. Laut des Arztes, hat der Spender übrigens 1,5 L von seinem Knochenmark gespendet.

 

 

 

 

 

 

27.02.08:

Der 1.Tag nach der KMT. Sven sitzt schon am Tisch und genießt das Frühstück mit einer Tasse Kaffee. Erstaunlicherweise war er heute sogar schon mit Mundschutz auf dem Flur spazieren.

 

11:45 Uhr Helfe Sven bei der Duschpflege, denn so ganz alleine schafft er es doch noch nicht.

Aber mit dem Waschlappen auf dem Kopf sieht er doch ganz anständig aus oder nicht?

 

 

Nun muss die Schwester wieder ran, um den Verband am Katheter zu wechseln. Aber diese Prozedur kennt er ja schon.

Gott sei Dank hat er sogar schon etwas zugenommen und wiegt mittlerweile schon 74,0 kg. Wenn er möchte, kann er sogar ein Wassereis bekommen, gibt es gratis von der Station. Heute hat Sven einen besonders großen Appetit und möchte sogar noch nach dem Mittagessen eine Tütensuppe essen, die ich ihm in der Küche gekocht habe.

 

16:25 Uhr Sven und ich können ein paar Schritte auf dem Flur laufen. Endlich mal Bewegung.

 

18:00 Uhr Es wird wieder Zeit, an die Infusion zu kommen. Die Schwester schließt ihn wieder an die Infusion an. Aber zum Trost koche ich ihm heute Abend Nudeln mit Broccoli.

 

19:15 Uhr Heute war ganz schön was los. Deshalb kuschelt sich Sven schön in sein Bett. Ist ja auch kein Wunder, erst einen Tag nach der KMT.

 

21:15 Uhr Es wird Zeit auch für mich zu gehen, also mache ich mich auf den Weg zurück ins JgH.

 

28.02.08:

Heute fühlt Sven sich ein bisschen schwach auf den Beinen. Aber er hat sich trotzdem schon heute das Frühstück selber geholt. Nach dem Essen geht es dann auch schon weiter mit der Physiotherapie. Sven erzählt mir, dass die Ärzte ihm was zum Pinkeln gegeben haben und er die ganze Nacht auf dem Klo war.

 

29.02.08:

Die Nacht war total beschissen, ständig musste er auf die Toilette. Ausgerechnet Durchfall und Pinkeln ohne Ende. Deshalb ist er heute nicht gut drauf, aber das kann man ja auch verstehen. Die Magen- Darmprobleme können durchaus von der Chemo kommen, haben die Ärzte gesagt.

Ach übrigens war heute das Gerichtsurteil in Kassel wegen Lorenzos ÖL. Eine große Katastrophe für alle Betroffenen. Die Kassen brauchen das Öl nicht zu bezahlen. Vielleicht zahlt ja Svens KK weiter das Öl. Mal schauen wie es weiter geht, wenn wir wieder zu Hause sind. Der Tag verging wie im Fluge. Ich habe lange Fernsehen geschaut und Sven hat gepokert.

 

 

 

01.03.08:

Die Nacht war endlich mal ein wenig ruhiger. Keine Magenprobleme. Zurzeit bekommt er ja auch was für den Magen. Heute kommen Svens Eltern, aber sie haben schon 1 Stunde Verspätung mit dem Zug.

 

11:15 Uhr Anruf von Vera, sie sind jetzt in Berlin-Spandau. Indessen macht Sven seine Atemübungen.

12:30 Uhr Endlich sind Vera und Kalli angekommen.

 

Heute bekommt Sven das erste Mal Thrombozyten über die Infusion. Sven freut sich tierisch auf seine Eltern. Vera, Kalli und ich gehen am Mittag in die Cafeteria. Heute geht es Sven natürlich sehr gut.

 

08.03.08:

Vera und Kalli sind wieder in Berlin. Sven geht es nicht so gut, er hat Probleme mit dem Pinkeln. Von Stunde zu Stunde geht es ihm immer schlechter. Jetzt auch schon wieder Durchfall. Aber gegen Abend geht es besser.

 

09.03.08: 

10:00 Uhr Vera und Kalli sind schon bei Sven. Aber in der Nacht wurde Sven ein Blasenkatheter gelegt, weil er nicht mehr pinkeln konnte. Aber das ganze hat auch seinen Vorteil, er konnte die nächste Nacht endlich mal durchschlafen. Um 21.00 hat Sven sich schlafen gelegt.

 

10.03.08:

9:30 Uhr Vera und Kalli sind noch mal da. Sven hat gut geschlafen und gefrühstückt hat er auch schon. Die Visite war aber allerdings heute sehr spät. Die Leukos sind schon um 0,01 gestiegen. Ab jetzt kann es nur noch aufwärts gehen. Um 13.00 erhält Sven wieder Thrombozyten als Infusion.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

22.03.08:

Es sind jetzt mittlerweile schon 4 Wochen vergangen. Endlich kommt der große Tag. Sven darf das erste Mal die Station und das Krankenhaus verlassen.

         

 

Die Freiheit ist zwar erst mal für eine kurze Zeit, aber Sven weiß ja noch nicht, dass er in spätestens 1 Woche wieder nach Hause kommt.

 

 

 

 

 Endlich ist es soweit. Sven bekommt den Katheter geozogen. Die Blutwerte sind super, also heißt es:

"Ab nach Hause"